a  reorientation proposal  for  the  European  social  model
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Stellungnahme: Umorientierungen und Neuformierungen in der Sozialstruktur - Comments on Social Inclusion for the EU
Rolf Hepp

In Deutschland bilden zwar immer noch die Normalarbeitsverhältnisse den Großteil der Arbeitsverhältnisse, bei Neueinstellungen hat sich dieses Verhältnis aber bereits umgekehrt. Dies sind manifeste Anzeichen einer Neukombination innerhalb der Sozialstruktur, die in die sozialen Zusammenhänge existenziell nachhaltig eingreifen und diese umformen. Ähnlich verlaufende Prozesse lassen sich in anderen Kernländern der EU, wie Frankreich, Italien, England etc. beobachten. Aufgrund unterschiedlicher nationalstaatlicher Ausgangsbedingungen, Machtkonstellationen und Ausgangssituationen setzen sich die Mechanismen dieses Prozesses nicht eindimensional durch, sondern bringen unter ähnlichen Ausgangsbedingungen voneinander abweichende Ausprägungen und Differenzierungen hervor.  
Die Faktoren, die über Wohlergehen entscheiden und als Diskussionspunkte herangezogen und zusammengefasst werden, ergeben zusammen eine kumulative Häufung verschiedener  Ebenen an, die in ihrer Abstraktheit gleichwohl eine Hierarchie vorgeben. Diese Faktoren müssten aber in ihrem inneren Zusammenspiel betrachtet werden, da die Faktoren sich gegenseitig stützen und stabilisieren und in diesem Zusammenwirken ihre spezifische Qualität erst entfalten können. Die Veränderungen innerhalb der Gesellschaft, die aus einer Umorientierung innerhalb der Produktionsstruktur resultiert, tragen dazu bei, Spaltungen in die Gesellschaft einzubauen. Der Bereich der Exklusion, der als das Modell einer Gefährdung des sozialen Zusammenhalts in die europäische Gesellschaft herein getragen wird, benennt eher soziale Konfliktlinien, als dass es sich um eine reale Ausgrenzung handelt. Die ‚Ausgegrenzten’ werden zwar über die Sozialsysteme, deren Anspruchshaltung und die Normen und Werte, die innerhalb von Arbeitsgesellschaften gelten, in das System integriert, aber unter den Prämissen eines Misslingens und einer Insuffizienz, die an dem Einzelnen festgemacht wird und dessen Leistungspotentiale in Frage stellt. Da die Umorientierung innerhalb der Sozialstruktur, wie sich an französischen und italienischen Studien paradigmatisch aufzeigen lässt, nämlich nicht nur Minderqualifizierte, sondern ebenso Hochqualifizierte (Leistungsträger) treffen kann, streut sich das Risiko des Arbeitsplatzverlustes. Mit diesen Veränderungen des Arbeitsmarktes erhält der Arbeitsplatzbesitz eine Dominanz, die dessen Gefährdung zum Ausschlag gebenden Faktor des Wohlbefindens wird. Die Gefährdung, die Arbeitsplätze innerhalb qualifizierter Bereiche wie Autoindustrie, dem Bankenwesen etc. unterliegen, sorgt dafür, dass nicht nur wenig qualifizierte Arbeitnehmer von einem erhöhten Arbeitsplatzrisiko betroffen sind, sondern dies in den Mittelstand und höhere Schichten Eingang gefunden hat. Durch Outsourcing und die damit einhergehende Ausdehnung atypischer Arbeitsverhältnisse wird das Risiko gestreut, und somit besteht die Gefahr, dass sich Konditionen der Desintegration im Zentrum der Gesellschaft festsetzen. Umstrukturierungen innerhalb des sozialen Raums beinhalten für die Gesellschaft Konfliktzonen innerhalb derer das gesellschaftliche Selbstverständnis neu justiert wird. Dadurch werden Entgegensetzungen in ein Zusammenspiel gezwungen, wie es sich an dem Verhältnis von Arbeit und Arbeitslosigkeit unter den Vorzeichen derzeitiger Entwicklungstendenzen aufzeigen lässt. Sie stehen nicht mehr in einem Ausschließungsverhältnis, sondern bestimmen in ihren Austauschbeziehungen die Neudefinitionen des Sozialgefüges.  „Neue“ Arbeitsformen zwingen die Akteure in gesellschaftliche Konfliktlinien,  die mit den diesen inhärenten Effekten, den Zusammenhalt, die Grenzlinien und die Konfrontationspunkte innerhalb des sozialen Zusammenhalts der Gesellschaft entscheidend prägen. Absetzungs- und Ausgrenzungsprozesse stehen in einem Zusammenspiel verschiedener Elemente und Ausprägungen, die in ihren Effekten Gefährdungen des Sozialzusammenhangs implizieren.

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